Mrz 3 2009
Schule 2.0: Besser lehren und lernen mit neuen Medien?

Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss soll bis 2015 halbiert und die Studienanfängerquote auf 40 % erhöht werden”, fordert Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung.

Darüber hinaus wünschen sich die Verantwortlichen in der Wirtschaft seit vielen Jahren Schulabgänger, die den steigenden Anforderungen der Ausbildung und des Wirtschaftslebens gewachsen sind. Was ist zu tun? Kann man Schülerinnen und Schüler durch neue Medien besser beim Wissenserwerb unterstützen als bisher?

Hierüber diskutierten Experten, Schüler und Lehrer am 03.03.2009 in der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld.


20090303_statement_erdmeierDie Veranstaltung wurde mit großem Interesse von Vertreter/innen aus Schule, Politik, Wirtschaft und Hochschule aufgenommen.  Wolfgang Borgert (Foto links), stellvertr. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe,  moderierte die intensive Diskussion zwischen den Podiumsteilnehmer/innen und dem Publikum.

Barbara Erdmeier, Schulleiterin, Ev. Gymnasium Werther, wies auf die Bedeutung des Unterrichts hin, der von gut geschulten Pädagogen/innen gestaltet werden müsse. Die Reflexion des Gelernten, der Austausch mit anderen Lernenden und dem Lehrer gehören zur Schule und zum effizienten Lernen. Neue Medien könnten Abwechslung bringen und ergänzend eingesetzt werden, jedoch solle man deren Bedeutung nicht überbewerten. Viel wichtiger sei es, in die Aus- und Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer zu investieren.

20090303_erdmeier_haakFabian Haak, Schülersprecher, Ev. Gymnasium Werther, beschrieb die nicht immer ganz zuverlässige IT-Technik in den Schulen und betonte den Wert eines guten Schulbuches mit begleitenden Arbeitblättern. Gleichwohl würden sich die Schülerinnen und Schüler regelmäßig in der digitalen Welt bewegen. Es sei also sowohl wünschenswert als auch notwendig, dass Medienkompetenz gelehrt werde und die Gefahren, die das Internet birgt, im Unterricht problematisiert würden.

 

20090303_statement_walzEinen anderen Zugang zur Bildung stellte Till Walz, Vice President Marketing & Sales, Scoyo GmbH, in Form eines Internet-Portals für Kinder der Klassen 1 – 7 vor. Hier können Spiele gespielt werden, die gezielt das Wissen dieser Jahrgangsstufen vermitteln bzw. vertiefen.

 

 

20090303_statement_feldmannWolf-Rüdiger Feldmann, Geschäftsführer, Cornelsen Verlag, stellte seine umfangreichen Erfahrungen in Bezug auf die Begleitung des Unterrichts in den verschiedenen Bundesländern, zu den unterschiedlichsten Fächern und Schulformen vor und resümierte, dass das Schulbuch – wie es früher war – sicher nicht mehr existent sei. Es handele sich aber noch immer um das Leitmedium, das in gedruckter oder digitaler Form mehrjährige Lernprozesse aufbaue und begleite. Dieses Bildungsmedien habe primär zwei Aufgaben zu erfüllen, nämlich die maximale Unterstützung des Lehrers bei Unterrichtsvorbereitung und Durchführung sowie die optimale Hilfe für Schüler durch Differenzierung bei der Stoffaufbereitung.

Selbstverständlich wurde auch das Thema “Whiteboard” behandelt, dass in der Presse mit  “Ende der Kreidezeit” beschrieben wurde. Ob diese Investition sich tatsächlich in besseren Lernergebnissen niederschlage, wurde von allen Seiten bezweifelt, da es eine Rückkehr zum Frontalunterricht fördere und darüber hinaus in den Schulen auch einen IT-Administator  erfordere.

 

Als problematisch wurde auch die Kluft zwischen Eltern und Kindern und zwischen Lehrern und Schülern in Bezug auf die Medienkompetenz angesehen.

 

Die Debatte über Effizienz von Schule in Deutschland, über PISA-Ergebnisse und Ausbildungsreife von Schülern muss also weiter geführt werden.

Die Interviews mit den Podiumsteilnehmern sehen Sie hier:












2 Kommentare

  • Bildung statt Büffeln | Marianne Weiß für Bielefeld schreibt:

    [...] Autotwittern ging es dann in eine Abendveranstaltung des Gildenhauses mit dem schönen Titel „Schule 2.0: Besser lehren und lernen mit neuen Medien?“. Schülersprecher, die „das gute alte Buch verteidigten“ und gegen zu viel PC-Orientierung [...]

  • Ursula Reinartz schreibt:

    Ich fand die obige Veranstaltung sehr gelungen und glaube, dass ein guter Unterricht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Einsatz der neuen Medien, der Verankerung des Schulbuches und der Anleitung zu selbständigem Lernen herstellt und letzteres fördert. Dennoch sehe ich leider immer noch eine Kluft zwischen den Bedingungen, mit denen Schule leben muss und den Ansprüchen von Unternehmern, die Schule weitgehend nur nach den Leistungen der Schulabgänger/innen beurteilt. Das hat mich in dieser Diskussionsrunde doch erschreckt. Ich würde es begrüßen, wenn möglichst viele dieser Unternehmer einmal in der Schule hospitieren würden, um die – leider in vielen Bereichen noch unzureichenden – Bedingungen von Schule kennen zu lernen. Deshalb plädiere ich für ein Schulpraktikum für Unternehmer/innen, wie ich auch das Lehrer/innen-Betriebspraktikum für unverzichtbar halte.
    Dennoch: Eine gelungene Veranstaltung!

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